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Die SG Aumund-Vegesack hat das Bremer Pokalfinale gewonnen und dem FC Oberneuland endgültig den Gar ausgemacht. Mit einem Sieg über den FC Oberneuland und den damit verbundenen Einzug in die erste Runde DFB-Pokal Runde, hätte sich der insolvente Club Oberneuland vielleicht sanieren können. So aber musste sich der FC Oberneuland am Dienstag sogar vorzeitig vom Spielbetrieb in der Regionalliga abmelden.
Vorhang auf für die große Fußball-BühneNach dem 4:0-Coup gegen den FC Oberneuland wartet die SAV jetzt auf ein attraktives Los im DFB-Pokal
Die SAV-Spieler im Freudentaumel. Beim Abpfiff des Pokalfinales entlud sich die ganze Anspannung der vorangegangenen Tage. FOTO: FRANK THOMA KOCH Hier findet ihr noch weitere tolle Bilder von diesem Bericht in der Norddeutschen Die SG Aumund-Vegesack – kurz SAV – wird sehr bald weit über die Grenzen Bremens hinaus bekannt sein: Nach der 4:0 (1:0)-Sensation im Lotto-Pokal-Finale des Bremer Fußball-Verbandes gegen den wegen seiner Insolvenz in die Schlagzeilen geratenen Regionalligisten FC Oberneuland betreten die Nordbremer jetzt die große Bühne DFB-Pokal und hoffen ab sofort auf das ganz große Los. VON JENS PILLNICK Vegesack. Die musikalische Untermalung bei der Siegerehrung war nicht nur der auflockernde Hörgenuss, sie drang vielmehr tief ins Innerste vor. Erst wurde für die Bremen-Liga-Fußballer der SG Aumund-Vegesack, die den Lotto-Pokal-Abonnementsieger FC Oberneuland im Finale im Stadion Obervieland mit 4:0 (1:0) demontiert hatten, der niemals alt werdenden Queen-Klassiker „We are the champions" aufgelegt, dann folgten die „Toten Hosen". Der Refrain „An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit" traf nicht nur den eingewechselten Johannes Metschuck („Ich gehe davon aus, dass ich jetzt zwei, drei Tage nicht schlafen werde") vom Underdog ins Herz, manche Träne kullerte, manche wurde schwerlich unterdrückt. Aber in erster Linie wurde die Freude über den Pokal-Coup natürlich herausgeschrien, herausgesungen, herausgetanzt. Und das gemeinsam mit der in zwei Reisebussen und vielen privaten Fahrzeugen angereisten großen Anhängerschaft, die nach dem Abpfiff freudetrunken das Spielfeld gestürmt hatte und diesen für die SAV historischen Moment ganz eng mit Spielern, Trainer und Verantwortlichen erleben wollte. Mittendrin Kristian Arambasic, der sein Team nicht nur lobte, sondern ihm auch so etwas wie eine Liebeserklärung machte: „Ich bin der größte Fan dieser Mannschaft." Ein Fan in eigener Sache – und ein Visionär. In der Stunde des Erfolges dachte er weiter: „Es ist Blödsinn, in Bremen-Nord gegeneinander zu arbeiten. Wir müssen die besten Jugendtrainer bündeln und offen und ehrlich miteinander sprechen." Mit Gesprächen mit den direkten Nachbarn will Arambasic den ersten Schritt unternehmen. Bevor sie den Platz stürmten, hatten die auf den Rängen staunenden Anhänger das erlebt, was sie kaum zu träumen gewagt hatten. Die SAV war vor knapp 2000 Zuschauern respektlos, konzentriert, engagiert und taktisch hervorragend eingestellt zu Werke gegangen und hatte den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte geschafft. Und bei dem spielte der kleinste Akteur die Hauptrolle. Nach einer scheinbar verpufften Chance von Matthias Märtens schob Abdullah Basdas den Ball zum 1:0 ins verwaiste Tor (9.), 22 Sekunden nach dem Anpfiff zur zweiten Spielhälfte zirkelte er den Ball aus 40 Metern mit einem Kunstschuss zum 2:0 in die Maschen. Ein Treffer, der nicht nur Marke „Tor des Monats" gewesen ist, sondern von Radio Bremen tatsächlich als Vorschlag für dasselbige zum Westdeutschen Rundfunk übermittelt werden soll. Ein Flugkopfball von Denis Nukic (50.) und ein Joker-Tor von Ferdi Kök (77.) komplettierten das Fußball-Glück und ließen aus dem Traum Realität werden: die SAV ist erstmals im DFB-Pokal dabei. „Wenn die Theorie in der Praxis aufgeht, dann ist es richtig schön", erklärte SAV-Trainer Kristian Arambasic, der sich nach Spielende vor Glückwünschen und Gesprächswünschen kaum retten konnte und auch gestern Interview-Wünsche von Radiosendern erfüllte und unzählige SMS lesen und beantworten musste. Eine Situation, die auf ihn für den Fall des großen Loses im DFB-Pokal über einen längeren Zeitraum zukommen könnte und die er Pfingstmontag mit Bravour meisterte. Vor dem Pokal-Coup hatte sich die SAV allerdings abgeschottet, einem Berichterstattungswunsch von Radio Bremen im Vorfeld eine Absage erteilt. Dem Mannschaftsbrunch am Spieltag folgte in einem Hörsaal der Jacobs University Bremen eine 45-minütige Videoanalyse des Gegners hinter verschlossenen Türen, die ihre Wirkung offenbar nicht verfehlte. Der FCO konnte seine spielerischen Vorteile nicht nutzen, die Angriffswellen gegen die überragenden Innenverteidiger Denis Nukic und Nils Göcke wurden seichter und die SAV konterte zunehmend zielstrebiger. Zielstrebig ging noch während der Feierlichkeiten SAV-Fußball-Boss Bernd Siems die lange Party-Nacht an und griff zum Telefon: „Jetzt gibt's eine kleine Sause, ich miete ein Lokal." Damit, dass erst jetzt organisiert wurde, sammelte die SAV weitere Sympathiepunkte. Es wurden keine bedruckten T-Shirts übergestreift, es wurden keine Banner ausgerollt. Es wurde einfach nur genossen und spontan reagiert. Die Sause fiel erwartungsgemäß heftig aus. Das „Nautilus" in der Vegesacker Fußgängerzone wurde extra für die mit 60 bis 70 Gästen erscheinende SAV geöffnet – und erst gegen 4.30 Uhr morgens wieder geschlossen. Arambasic: „Wir haben die Nacht zum Tag gemacht und uns im Videotext immer wieder das Standbild mit dem Ergebnis angeschaut." Und natürlich über den Tellerrand des Bremer Pokal-Sieges, der garantierte rund 100 000 Euro in die SAV-Kasse spült, hinübergeschaut. „Jetzt geht die Arbeit richtig los. Wir haben uns über die Teilnahme am DFB-Pokal noch keine Gedanken gemacht", erklärte der stellvertretende Abteilungsleiter Jörg Schröder, der seinen Zustand zur Halbzeit als „gelähmt" beschrieb und froh war, „dass ich kein Trainer bin". Der Vorstand der SAV muss sich beispielsweise Gedanken darum machen, wo gespielt wird. „Je nach Gegner", konnte Jörg Schröder natürlich noch nicht konkret werden. Die Spielstätten Obervieland, Vinnenweg, Osterholz-Scharmbeck und natürlich das Burgwallstadion stehen zunächst einmal im Raum. Konkrete Planungen sind ab Mitte Juni möglich, dann findet nämlich die noch nicht genau terminierte Auslosung zur ersten Pokalrunde statt. Als Spieltermine für die 32 Partien sind der 2. bis 5. August vorgesehen. Bei der Auslosung will SAV-Trainer Kristian Arambasic unbedingt live dabei sein und ist schon jetzt gespannt, ob sein Team bundesweit fälschlicherweise als „der SAV" vorgestellt wird. SG Aumund-Vegesack: Meyer-Wersinger – Glöcke, Felis (ab 67. Rosenfeldt), Hodzic, Märtens (ab 76. Kök), Uslu, Nukic, Krämer, Mulert, Block (ab 84. Metschuk), Basdas FC Oberneuland: Mandic - Krogemann, Buduar, Muzzicato (ab 61. Minns), O. Laabs, Estevao da Silva (ab 59. Adewunmi), N. Laabs, Zengin (ab 53. Aktas), Nguyen, Artmann, Ayik Schiedsrichter: Frank Hüller (TuS Schwachhausen) Tore: 1:0 Basdas (10.), 2:0 Basdas (46.), 3:0 Nukic (50.), 4:0 Kök (70.) – Gelbe Karten: Felis, Märtens, Uslu, Mulert / O. Laabs, Artmann (wk) STIMMEN ZUM POKALSIEG DER SAV: Bernd Siems (SAV-Abteilungsleiter): Die Jungs waren kalt wie eine Hundeschnauze. Tränen habe ich in meinem Alter keine mehr, die sind alle schon bei unseren Abstiegen geflossen. Matthias Märtens (SAV-Mittelfeldspieler): Jetzt holen wir die Bayern nach Vegesack. Das war der verdiente Lohn, wir haben viel investiert und warten jetzt auf einen Bundesligisten. Wir waren vom Trainer super eingestellt. Kristian Arambasic (SAV-Trainer): Jetzt wünsche ich mir Bayern mit Guardiola. Wenn wir uns in 20 Jahren wiedertreffen, dann werden wir von diesem Spiel sprechen. Denis Nukic (SAV-Innenverteidiger): Es hat sich ein Traum erfüllt, ich habe Tränen in den Augen. Wahnsinn, was wir gerissen haben. Das ist auch ein großer Schritt für Bremen-Nord. Jetzt möchte ich gerne Bayern mit Pep Guardiola an der Außenlinie haben. Maik Meyer-Wersinger (SAV-Torwart): Ich hab' einen Lauf und auch Glück gehabt. Es hat einfach alles gepasst. Wir freuen uns jetzt auf die Auslosung. Ich wünsche mir Bayern, Dortmund oder Schalke. Mohamed Hodzic (SAV-Offensivmann): Das ist das Größte, was ich mit dieser Mannschaft erlebt habe. Beim 2:0 habe ich Sicherheit gespürt. KOMMENTAR: Weitblick VON JENS PILLNICK Der Norden feiert, der Norden lebt. Bremen-Nord ist wieder wer auf der Fußball-Landkarte der Freien Hansestadt. Und das lässt sich nicht nur am Lotto-Pokal-Triumph der SG Aumund-Vegesack am Pfingstmontag gegen den FC Oberneuland und dem damit verbundenen Einzug in den bundesweiten DFB-Pokal festmachen. Es ist vielmehr die Breite, die Hoffnung für die Zukunft macht. Die SAV, die seit drei Jahren zur Bremen-Liga-Spitze zählt und zudem zuletzt zweimal Zweiter beim prestigeträchtigen Amateurhallenturnier des Bremer Fußball-Verbandes wurde, hat nämlich Mitstreiter. Die A-Junioren des Blumenthaler SV haben auch im zweiten Jahr – und diesmal absolut souverän – den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord geschafft und sind nur die Spitze einer hervorragenden Nachwuchsarbeit am Burgwall. Ein Engagement, das kurz- bis mittelfristig auch noch positivere Auswirkungen auf den Herrenbereich haben dürfte. Der SV Grohn setzte schließlich als Dritter im Bunde ein ganz dickes Ausrufezeichen in der Landesliga und sicherte sich dort in beeindruckender Manier vorzeitig den Titelgewinn und den Aufstieg in die Bremen-Liga. Besonders bemerkenswert im Rausch des Erfolgs: SAV-Trainer Kristian Arambasic sonnte sich nach dem Schlusspfiff des Lotto-Pokal-Finales nicht nur im Erfolg und hoffte auf an ein attraktives Los im DFB-Pokal. Er bewies Weitblick. Er dachte im Sinne des Fußballs in Bremen-Nord und gab erneut einen Denkanstoß hinsichtlich einer Bündelung der Kräfte. Dann wären nicht nur mehrere Vereine für sich, sondern eine ganze Region auf dem richtigen Weg. Quelle: Norddeutsche, 22.05.2013 |
SAV-Treffer bei der Auswahl zum Tor des Monats dabeiSAV-Mittelfeldmotor A. Basdas erzielte die ersten beiden Treffer im Finale. Sein zweites Tor wurde nun von Radio Bremen beim WDR zum Tor des Monats vorgeschlagen. Klickt einfach auf sein Bild und seht selbst. Was für ein geiler Treffer zum 2:0. Wer nicht hüpft ist kein Vegesacker. Klickt auf unser Siegerteam und schon seht ihr Jubelszenen aus der SAV-Kabine nach dem Sieg Wenn du auf dieses Bild klickst kommst du zur Siegerehrung unserer SAV |









